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Gemeindeorganisation

 

Auszug aus dem Buch (Organismus oder Organisation)

Eine Abendpredigt von Alonzo T. Jones auf der Generalkonferenz von 1901

 

Wir lesen Epheser vier, beginnend mit dem siebenten Vers: »Einem jeglichen aber unter uns ist gegeben die Gnade nach dem Maß der Gabe Christi.«

Es wurde uns heute mitgeteilt, daß Gott eine Reorganisierung der Generalkonferenz fordert, ihres Werkes, ihrer Hingabe, und dies muß demnach unser Hauptstudium sein. Die Generalkonferenz ist nun formal durch Stellvertretung in Sitzung; aber diese Stellvertretung hier ist nicht die ganze Generalkonferenz. Wir finden keine Generalkonferenz vor, bis wir jeden Siebenten-Tags-Adventisten in der Welt einbezogen haben. Demnach erfordert eine Reorganisierung der Generalkonferenz die Reorganisierung eines jeden Siebenten-Tags-Adventisten in der ganzen Welt.

Dies ist nicht nur erforderlich wegen der Generalkonferenz an sich, sondern es ist erforderlich aufgrund des Interesses Gottes an der Erde. Die Welt lebt in einer Zeit, in der ein Werk durch den Herrn verrichtet werden muß, das aber nichts auszurichten vermag, wenn nicht jeder von uns reorganisiert und erneuert wird. Deshalb habe ich mit diesem Text begonnen, und wir werden eine Reihe von Texten dieses Kapitels betrachten, denn das ist die Geschichte der Reorganisation.

Alle Organisation, die nicht von Gott ist, ist nur ein Notbehelf für begrenzte Zeit. Es gibt keine wahre Organisation, außer sie ist von Gott. Nur Leben ist die Quelle der Organisation.

Organisation ist nicht die Quelle des Lebens. Organisation spendet kein Leben. Leben bringt Organisation hervor. Daher: Wenn Gott eine Reorganisation allein der Generalkonferenz

 

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bewirkt, die hier ihre Sitzung hat, erfordert dies, daß Gottes Leben uns von neuem erreicht, in vollerem Maße als je zuvor. Wen auch immer Gott durch dieses Leben erreicht, das ist Organisation; und wen auch immer ER durch dieses Leben in größerem Maße erreicht, das ist Reorganisation. Deshalb habe ich diesen Text gelesen, denn das ist der Anfang des Lebens.

Alle wahre Organisation kommt von Gott zum Menschen: durch Gottes Gnade, welche die Gabe Gottes selbst an den Menschen ist. So heißt es denn: »Einem jeglichen aber unter uns ist gegeben die Gnade nach dem Maß der Gabe Christi« (Eph. 4, 7).

Daraus folgt: Da nun Gottes Gnade die Quelle alles Guten für die Menschen ist, und jene Gnade einem jeden von uns nach dem Maß der Gabe Christi verliehen wird, ist dort der Vorrat, ist dort die Quelle, der Brunnen — eine Fülle von Gnade —, um zu verrichten, was Gott heute fordert.

Was ist das Maß der Gabe Christi? »In ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig« (Kol. 2, 9). Jedem von uns wird demnach Gnade gegeben nach dem Maß der ganzen Fülle der Gottheit leibhaftig. Er gab sich selbst für uns dahin — ER verlieh sich selbst nicht an uns, sondern gab, gab sich selbst in einer ewigen Gabe für uns dahin.

Das ist das Maß der Gabe Christi. Dieses Maß ist nicht begrenzt. Es ist grenzenlos wie die Fülle Gottes und wird einem jeden von uns gegeben! Dir und mir. Oh, wenn Gott nicht nur den Brunnen, sondern das grenzenlose Meer seiner Gnade dir und mir persönlich öffnet und uns dann sagt, daß Gott eine Reorganisation fordert, was soll dem im Wege stehen? Ist die Aussicht für uns nicht glänzend genug, daß wir uns auf sein Opfer werfen — daß wir in jenes grenzenlose Meer seiner Gnade tauchen, welche für jeden, den sie erreicht, Rettung wirkt?

 

Oh, ihr wisst, es steht (im Liederbuch) geschrieben:

Welche Tiefe seiner Gnade, Wie die Tiefe in dem Meer;

Welche Güte seines Urteils, Das die Freiheit übersteigt.

 

Soviel über die Gabe, soviel über die Anregung, die Fähigkeit, die ER jedem von uns gibt, um sein Werk an uns zu vollbringen, in uns zu vollbringen und für uns zu vollbringen. Und dann, nachdem ER dies an uns und in uns und für uns vollendet

 

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hat, vollbringt ER in dieser Zeit seine wunderbare Absicht, Gott auf Erden zu verherrlichen und das Werk zu beenden, das uns anvertraut worden ist. Nachdem wir dies in seinem Wort dargestellt haben, wollen wir sehen, was ER durch jene Gnade zu tun beabsichtigt, die ER einem jeden von uns so grenzenlos gegeben hat.

Wir wollen Weiterlesen: »Einem jeglichen aber unter uns ist gegeben die Gnade nach dem Maß der Gabe Christi. Darum heißt es: >Er ist aufgefahren in die Höhe und hat das Gefängnis gefangen geführt und hat den Menschen Gaben gegeben.< ... Und er hat etliche zu Aposteln gesetzt, etliche aber zu Propheten, etliche zu Evangelisten, etliche zu Hirten und Lehrern« (Eph. 4, 7-8. 11).

Zu allererst wird diese Gnade gegeben, »daß die Heiligen zugerichtet werden« (KJV: »Zur Vervollkommnung der Heiligen«), und alles andere wozu diese Gnade gegeben wird, kann nie vollendet werden, wenn nicht die hierfür gedachte ursprüngliche Absicht vollendet, anerkannt und beachtet worden ist — die Vervollkommnung der Heiligen. Denn der nächste Satzteil lautet: »Zum Werk des Dienstes«, und der nächste: »Dadurch der Leib Christi erbaut (aufgebaut) werde.«

Was aber will Gott mit ' einem Dienst anfangen, der die Vervollkommnung der Heiligen nicht erkennt? Was kann Gott in der Erbauung seiner Gemeinde ausrichten, wenn seine Gnade in der Vervollkommnung der Heiligen, aus welchen die Gemeinde besteht, nicht erkannt wird? So hat ER denn das Fundament richtig gelegt; und ER hat die erste Wahrheit ganz richtig vorangestellt. Die Vervollkommnung der Heiligen ist daher das erste Werk der Gnade Gottes. Und da ER alle Gnade gegeben hat, die ER besitzt, hat ER die ganze Fülle der Gottheit in der Gnadengabe gegeben: alles, was Gott ist, all seine Macht, all seine heiligende Heiligkeit und den Geist — all das ist dem gegeben und verbürgt, der die Gnade empfängt, auf daß diese Gnade Gottes Absicht vollende und den Empfänger zur Vervollkommnung führe.

Denn niemand, der Christi Namen nennt, niemand, der bekennt, Gottes Gnade empfangen zu haben, soll je einen Augenblick mit etwas zufrieden sein, das der Vollkommenheit, wie Gott sie sieht, nicht entspricht — zumal ER uns diese Vollkommenheit in Jesus Christus vor Augen gestellt hat. Und ER soll es vollbringen;

 

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nicht wir sollen uns selbst vervollkommnen, nicht wir verrichten das Werk, sondern der sich selbst dahingegeben hat, auf daß ER es an mir vollbringe. Oh, das ist der Brunnquell unseres Vertrauens! Dort steht der Brunnquell unseres Vertrauens fest — ER soll es vollbringen. Und dann wissen wir, daß es vollbracht wird.

Nun das Werk des Dienstes. Diese grenzenlose Gnadengabe ist zum Werk des Dienstes bestimmt. So ist dies das zweite Gnadenwerk Gottes — nicht an zweiter Stelle in Bedeutung, sondern an zweiter Stelle der Tatsachenfolge; denn was ist ein Dienst ohne das vervollkommnende Gnadenwerk Gottes schon wert? Der Dienst des Evangeliums ist der höchste Ruf, und ein Diener des Evangeliums zu sein, bedeutet, die höchste Stelle im Weltall einzunehmen. Das ist die Wahrheit. Ich meine damit natürlich, daß es der höchste Ruf unter Geschöpfen ist.

Ich wiederhole: Der Dienst des Evangeliums ist der höchste Ruf. Ein Diener des Evangeliums zu sein, bedeutet, die höchste Stelle einzunehmen und den höchsten Platz innezuhaben, der im Weltall Gottes gehalten oder besetzt werden kann. Und so Brüder, möchte ich jede Seele ermahnen, die je an diesen Dienst gedacht hat, keinem Gedanken über den Dienst des Evangeliums nachzugehen, der in dem eben Gesagten zu kurz kommt. Wenn irgendjemand sich erlaubt, den Dienst des Evangeliums Christi in einem niedrigeren Maße einzustufen, in irgendeinem erdenklichen Ausmaß, der verfehlt den Dienst des Evangeliums. Irgendjemand, der den Dienst des Evangeliums in irgendeinem Maße niedriger einstuft als ich ausgeführt habe, hat den Evangeliumsdienst verfehlt. Er hat ihn nicht erfaßt —, den Evangeliumsdienst. Möge der Herr durch seinen Geist und durch die Fülle seines Gnadenwerkes an unseren Sinnen und Herzen wirken um unser Verständnis auszuweiten und uns auf jene Höhe emporzuheben, wo ER selbst den Standard des Evangeliumsdienstes Christi aufgerichtet hat.

Oh, denkt daran, was ein Diener des Evangeliums sein soll! Was ist das Evangelium? — Es ist die Kraft Gottes. Dann ist der Dienst des Evangeliums der Dienst der Kraft Gottes. - Du und ich, Brüder, uns hat Gott aufgetragen, hinzugehen und den Menschen mit der Kraft Gottes zu dienen. Wir sollen den Menschen mit der Kraft Gottes so dienen, daß diese Kraft ihre Rettung bewirkt.

Worin aber besteht die Kraft Gottes im Evangelium? Weshalb

 

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ist das Evangelium die Kraft Gottes? Der nächste Text sagt es: »Denn ich schäme mich des Evangeliums von Christo nicht; denn es ist eine Kraft Gottes« (Röm. 1, 16). Aber ich möchte eure Aufmerksamkeit auf diese eine Sache lenken, was das Evangelium in sich selbst ist: die Kraft Gottes. Weshalb? Der nächste Text: »Sintemal darin« — darin — »offenbart wird die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt« (Vers 17).

Die Gerechtigkeit Gottes ist das Wesen seines Charakters, und das ist die Quelle der Kraft des Evangeliums. Es ist die Kraft Gottes, weil darin — im Evangelium — die Gerechtigkeit Gottes enthalten ist. Der Dienst des Evangeliums ist der Dienst des Charakters Gottes. Dir und mir, Dienern des Evangeliums, hat Gott durch seine Gnade jenen Auftrag gegeben, das Evangelium zu predigen, die Kraft Gottes zu predigen, den Menschen das Wesen des Charakters Gottes zu predigen, damit sie die Kraft Gottes finden, damit sie das Wesen des Charakters Gottes entdecken und darin Rettung erlangen, die Gott im Leben der Menschen wirkt, im menschlichen Fleische.

Wie soll das geschehen? Wie willst du, wie will ich, wie sollen wir mit der Kraft Gottes dienen, außer wir haben sie selbst, außer uns wird sie anvertraut — nicht so anvertraut, daß Er seine Kraft Dir und mir gibt, daß wir sie austeilen und andern weiterreichen. Nein. Er vertraut uns jene Kraft an, indem ER uns mit ihr bekleidet, so daß die gesprochenen Worte des Evangeliums die Herzen der Menschen so erreichen, daß sie wissen, daß Gott zu ihren Herzen spricht. Sie werden erkennen, daß Gott gegenwärtig ist, und daß sie Rechenschaft ablegen müssen für ihr Tun als Antwort auf das Werk, das ER ihnen gegeben hat. Er bekleidet uns und vertraut uns seine Gerechtigkeit an, indem ER uns mit jenem Wesen des Charakters Gottes bekleidet, daß wir Menschen zu Gott bringen sollen: in der Fülle freier Erlösung.

Und auf dem Wege der Gerechtigkeit ist Leben. Es ist das Leben Gottes. Ist es nicht wahr, daß ER gesagt hat, daß wir als Heiden früher entfremdet waren, getrennt vom Leben Gottes? Wir sind mit dem Leben Gottes verbunden, und das ist ewiges Leben. Und so steht in Johannes 5, 24 geschrieben: »Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben. « Hat es — nicht wird es haben, sondern hat es. Was die Zukunft betrifft, heißt es: »Und kommt nicht in das Gericht« (KJV: »Wird nicht in das Gericht

 

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kommen. «). »Sondern ist« — jetzt schwingt der Text in die Gegenwart zurück — »sondern ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. « Und jetzt sind wir mit IHM im Leben, im Leben Gottes. Verbunden mit IHM, wie geschrieben steht: »Bei dir ist die Quelle des Lebens.« Und wenn wir so sein Leben finden, mit seinem Leben verbunden sind, uns damit verbunden haben, so daß dieses Leben unser Leben ist — darin wird seine Kraft offenbart. Denn Jesus Christus ist nach der Kraft des unendlichen Lebens Hoherpriester geworden. Ich lenke eure Aufmerksamkeit auf gerade diesen Gedanken. Da ist Kraft im Leben. Im endlosen Leben ist mehr Kraft. Im Leben ist Kraft. Unser tägliches Leben, das natürliche Leben, ist nur ein Hauch, der eine Zeitlang vorhanden ist und dann verschwindet. Wir lassen es fahren und empfangen das endlose Leben, das nie vergeht. Da Kraft in diesem Leben vorhanden ist, Kraft im Leben selbst, welche Kraft ist es, die ein endloses Leben hat? — Doch nur eine endlose Kraft.

So sage ich denn, das Evangelium ist die Kraft Gottes, weil darin die Gerechtigkeit Gottes offenbart wird, und in Gerechtigkeit ist Leben. Und darin ist seine Kraft verborgen, eine endlose Kraft. Und dieses endlose Leben Gottes, das mit der grenzenlosen Gerechtigkeit Gottes kommt, ist im Evangelium offenbart, das ER uns zu verkündigen aufgetragen hat.

Nun ein anderes Wort über dieses Leben. Oh, daß ich in der Lage wäre — und ich bitte Gott, daß ER es so bewirke —, daß ich euch befähigte, damit ihr diesen Gedanken, auf den ich eure Aufmerksamkeit lenke, mit dem Leben Gottes verbunden zu sein, erkennen möget. Dieses Leben Gottes ist in Jesus Christus. Er ist die Quelle des Lebens. Brüder, wir haben einen höheren Ruf als zu meinen, unser Leben als Christen bestünde im Atmen, wie alle anderen atmen und im Essen, wie alle anderen essen. Wir haben all das ja gehabt, ehe wir überhaupt Christen wurden. Wir hätten all das gehabt, wären wir nie Christen geworden. Wir hätten geatmet, gegessen, getrunken und gelebt. Aber wenn Gott uns zu sich ruft, um mit seinem Leben verbunden zu sein, sind wir über den Platz hinausgehoben, den wir vorher innehatten und verbunden mit dem endlosen Meer des Lebens Gottes. Dort finden wir Christen die Quelle unseres Lebens. Gott bietet uns an, uns mit IHM zu verbinden, daß uns Tag für Tag und allezeit bewußt wird, daß vom Thron des lebendigen Gottes zum Herzen des, der an Jesus glaubt, ein Strom des Lebens fließt. Dann haben wir eingewilligt, zu dieser

 

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Stellung erhoben zu werden und den Strom des Lebens Tag für Tag in unserm Leben zu empfangen. Oh, dann wird die Kraft Gottes auf uns ruhen! Dann wird die Kraft Gottes in unserem Dienst sichtbar werden, die endlose Kraft, die zum endlosen Leben Gottes gehört. Das ist die Wahrheit.

Im folgenden liegt ebensoviel Wirklichkeit — in gewissem Maße sogar noch mehr Wirklichkeit, weil es noch wesentlicher ist; aber was die Tatsache betrifft — was die Greifbarkeit betrifft, so liegt hierin ebensoviel Wirklichkeit, wenn wir sehen, wie Gottes Leben tagtäglich in unser Leben fließt, so wir an Jesus glauben, wie es eh und je Wirklichkeit ist, wenn wir sehen, wie das Leben tagtäglich zu uns durch unser Atmen fließt, seit wir in dieser Welt leben. Das ist eine göttliche Tatsache.

Und dann, o seht, was damit verbunden ist! Weshalb hat ER uns an diese Stelle gesetzt? Als erstes kommt die Vervollkommnung der Heiligen, als zweites das Werk des Dienstes. Seht ihr denn nicht, Brüder im Dienst (ich meine jetzt den Predigtdienst. Natürlich sind alle anderen einbezogen, aber ich spreche nun uns selbst an, den Predigtdienst), seht ihr nicht: Wenn wir diese Quelle des Lebens finden, leben wir darin? Das ist das wahre höhere Leben. Das ist das wahre christliche Leben, das wir leben, und das Leben, das uns von Jesus Christus zufließt, empfangen wir heute vom Himmel. Wir atmen es ein: direkt von Jesus Christus, dem Lebensspender. Das ist das christliche Leben.

Weshalb aber ist es uns gegeben worden? — Oh, zum Werk des Dienstes. Wem aber dienen wir? — Der Menschheit. Womit dienen wir? — Oh, Jesus Christus hat uns zum Brunnen des Lebens gebracht und uns damit verbunden, auf das wir wirklich die seien, die zwischen den Toten und Lebenden stehen, um den Toten das Leben zu vermitteln, das sie zum Leben erweckt. Dazu sind wir in der Welt, damit Jesus Christus, der Lebendige, durch uns den Toten das Leben bringe, das dem Leben Gottes entspricht.

So sind wir denn Diener des Lebens. Wir werden richtig und wahrhaftig Diener Christi genannt. Was aber ist Christus? Laßt uns den wunderbaren Abschnitt im ersten Johannesbrief lesen: »Das da von Anfang war, das wir gehört haben, das wir gesehen haben mit unsern Augen, das wir beschaut haben und unsere Hände betastet haben, vom Wort des Lebens« (1. Joh. 1, 1). Und das alles trifft heute auf dich und mich zu. Gewiß, Johannes redete von der Zeit, als sie IHN im Fleische sahen, aber er blieb nicht dabei

 

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stehen. Johannes schaute auf Jesus Christus im Geiste und sah die Zeit vor sich, als Christus das Fleisch verlassen hatte und gen Himmel gefahren war. Und das ist auch dein und mein Vorrecht, auf Jesus Christus zu schauen und IHN mit unseren Augen zu sehen, wie ER heute ist, zur Rechten Gottes, um Buße zu geben und Vergebung der Sünden und Leben auf die Toten auszugießen.

»Das wir beschaut haben und unsere Hände betastet haben, vom Wort des Lebens — und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen das Leben, das ewig ist, welches war bei dem Vater und ist uns erschienen —: was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir euch, auf daß auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus« (1. Joh. 1, 1-3).

Wer ist Christus? — Er ist das Leben. Wenn wir Diener Christi sind, sind wir nur Diener des Lebens. Oh, wie kann ich ein Diener des Lebens Christi sein, ein Diener des Lebens Gottes, wenn mein Dienst ebenso fortdauert wie mein Leben, es sei, ich bin mit jenem Brunnen des Lebens verbunden, so daß dies mein Leben ist? Nur dann kann ich ein Diener des Lebens sein; und das ist ewiges Leben, wie ihr alle wißt: »Daß sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen« (Joh. 17, 3). So sind wir Diener Christi und Diener des ewigen Lebens an den Toten. Welch eine Berufung! Welch eine hohe Berufung das ist!

Brüder, wir wollen Gott bitten, daß ER uns zu dieser Höhe erhebe: und dort laßt uns wohnen. Dort wollen wir bleiben und nie darum bitten herunterzukommen. Dort in dieser Höhe laßt uns weilen und in sein Angesicht schauen und vom IHM Leben, Licht und Herrlichkeit empfangen, was die Heiligen vervollkommnet und den Dienst des Evangeliums wirksam macht.

Das ist eine großartige Sache. Wir müssen jeden dieser Schritte gehen, sonst kann der nächste nicht folgen. Dann bitte ich nochmals, ich bete nochmals, daß der Herr in der Fülle seiner Gnade jede Seele hier beeindrucken möge, daß wir unsere wahre Haltung im christlichen Leben nicht gefunden haben, bis wir wissen, daß der Strom des Lebens ständig vom Throne Gottes zu uns fließt und uns zum Leben erweckt und uns zu Kanälen des Lebens zu den Toten macht.

 

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Zur Erbauung des Leibes Christi, der Gemeinde Gottes. Zuerst kommt die Vervollkommnung der Heiligen, dann das Werk des Dienstes, dann die Erbauung der Gemeinde. Oh, die Gemeinde benötigt einen Aufbau! Deshalb fordert Gott eine Reorganisation. Wir wollen anerkennen, daß ER das wahre Maß vor uns aufgestellt hat — nichts weniger als die Vervollkommnung und Vollkommenheit der Heiligen. Dann folgt die wahre Höhe des Dienstes des Evangeliums, der Dienst Christi.

Nur noch einige Worte, ehe ich es damit abschließend bewenden lasse — dieser Dienst bezieht alle ein: »Wie ein jeder die Gabe empfangen hat, so dient einander mit derselben als gute Haushalter der mannigfaltigen Gnade Gottes.« Wer die Gnade Gottes empfangen hat, hat darin die Gabe des Dienstes jener Gnade empfangen: Den Dienst Christi, den Dienst des Wortes — oder den Dienst des Evangeliums, wie an einem anderen Ort geschrieben steht.

In 2. Korinther 5 wird gesagt, daß Gott in Christo war und die Welt mit ihm selber versöhnte und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat. Wer Versöhnung findet, die Versöhnung Gottes in Christo, findet darin den Dienst derselben Versöhnung für die, die sie noch nicht gefunden haben. So ist der Dienst, dieser Dienst, weltweit. Aber Brüder, wenn wir diesen Predigtdienst nicht wertschätzen, wie können die, denen wir predigen, ihn dann jemals wertschätzen?

So ist dies alles gegeben worden, »bis daß wir alle Hinahnkommen zu einerlei Glauben und Erkenntnis des Sohnes Gottes und ein vollkommener Mann werden« (Eph. 4, 13). Ein vollkommener Mann. Wie viele von uns sollen das sein? Bis daß wir alle. Setzt beides zusammen. Einem jeglichen aber unter uns ist gegeben die Gnade nach dem Maß der Gabe Christi, bis daß wir ein vollkommener Mann werden (Eph. 4, 7. 13). Dank sei dem Herrn! »Bis daß wir alle Hinahnkommen zu einerlei Glauben und Erkenntnis des Sohnes Gottes und ein vollkommener Mann werden, der da sei im Maße des vollkommenen Alters Christi« (Eph. 4, 13).

Nun, der nächste gesegnete Lohn wird hierüber ausgesprochen: »Auf daß wir nicht mehr Kinder seien und uns bewegen und wiegen lassen von allerlei Wind der Lehre durch Schalkheit der Menschen und Täuscherei, womit sie uns erschleichen, uns zu verführen« (Eph. 4, 14). Brüder, Gott hält dies für uns bereit, das uns festigen soll. Gott hält dies für uns bereit, das uns in der

 

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Wahrheit, in der Gerechtigkeit und den Grundsätzen der Gerechtigkeit festigen soll wie der Fels aller Zeiten selbst unerschütterlich fest ist.

Weiter. Lest jenen Text nochmals und in Verbindung damit den darauf folgenden (Eph. 4, 14-15): »Auf daß wir nicht mehr Kinder seien und uns bewegen und wiegen lassen von allerlei Wind der Lehre durch Schalkheit der Menschen und Täuscherei, womit sie uns erschleichen, uns zu verführen. Lasset uns aber rechtschaffen sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken an dem, der das Haupt ist, Christus.«

Nun, hier ist wahre Reorganisation, und eine andere gibt es nicht: »Lasset uns aber rechtschaffen sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken an dem, der das Haupt ist, Christus, von welchem aus der ganze Leib zusammengefügt ist und ein Glied am andern hanget durch alle Gelenke, dadurch eins dem andern Handreichung tut nach dem Werk eines jeglichen Gliedes in seinem Maße und macht, daß der Leib wächst zu seiner selbst Besserung, und das alles in der Liebe« (Eph. 4, 15-16). Da ist Organisation, und eine andere gibt es nicht. Es gibt keinen anderen Weg.
Jede Organisation, die nicht von Jesus Christus kommt, ist keine Organisation.

Beachtet, diese Organisation, diese Reorganisation kommt vom Haupt. Organisation kommt nicht von den Gliedern, sie kommt vom Haupt. Ich will das jetzt nochmal lesen, zusammen mit einem anderen Text: »Laßt uns aber rechtschaffen sein in der Liebe« — angesprochen ist dieser Leib Christi —, »laßt uns aber rechtschaffen sein« — angesprochen sind diese Glieder — »und

• wachsen in allen Stücken an dem, der das Haupt ist, Christus.« Von wem geht dies aus? Von Christus. »Von welchem aus der ganze Leib«, das heißt, alle Glieder, »zusammengefügt ist und ein Glied am andern hanget durch alle Gelenke, dadurch eins dem andern Handreichung tut nach dem Werk eines jeglichen Gliedes

• in seinem Maße« — dies geht vom Haupt aus —, »und macht, daß der Leib wächst zu seiner selbst Besserung, und das alles in der Liebe« (Eph. 4, 15-16). Seht ihr nicht, dies ist die Organisation in der Gemeinde Christi. Alle Reorganisation muß von Christus selbst kommen. Er vermag es, nur ER.

Wenden wir uns nun dem Kolosserbrief zu, dem Paralleltext, auf den ich eure Aufmerksamkeit in dieser Verbindung lenke, Kolosser 2, 18-19: »Lasset euch niemand das Ziel verrücken, der

 

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nach eigener Wahl einhergeht in Demut und Geistlichkeit der Engel, davon er nie etwas gesehen hat, und ist ohne Ursache aufgeblasen in seinem fleischlichen Sinn und hält sich nicht an dem Haupt, aus welchem der ganze Leib durch Gelenke und Fugen Handreichung empfängt und zusammengehalten wird und also wächst zur göttlichen Größe.« Dies besagt also, daß dieser Leib vom Haupt aus aufgebaut ist, und die sich nicht am Haupt halten, bringen sich um ihren Lohn. 0 ja, sie demütigen sich, sie arbeiten, sie beten und vieles mehr — was aber kommt dabei heraus? Nichts weiter als Werke. Und all das, weil sie das Haupt nicht anerkennen: sie halten sich nicht an dem Haupt. So ist also der Leib vom Haupt aus organisiert. Die Lebenskraft fließt vom Haupt zu allen Gliedern, wobei jedes Glied vom Haupt her angeregt und vom Willen geleitet wird, der seinen Sitz im Haupt hat. Das ist die vollkommene Organisation, und der menschliche Leib ist derselbe. Es ist eine Veranschaulichung. Hier ist der menschliche Leib - viele Glieder, aber es ist alles ein Leib: jedes Glied, das Gott uns gegeben hat.

Nebenbei, laßt mich bei diesem einen Gedanken verweilen: In unserem Körper, der uns stets gegenwärtig ist, und auf den heute unsere Aufmerksamkeit gelenkt wurde — weshalb wird in all diesen Ermahnungen des Geistes der Weissagung jedesmal die Gesundheitsreform einbezogen? Weshalb? Wie heute deutlich zitiert wurde: »Ich danke dir, daß ich so wunderbar gemacht bin (Ps. 139, 14). Die Gesundheitsreform wird deshalb einbezogen, weil Gott in dieser Organisation, in der wir selbst sind, unsere Leiber, die ER geschaffen hat, uns als ewige Veranschaulichung der Organisation der Gemeinde vor Augen gestellt hat. Und es ist eine große Sorglosigkeit und daher Blindheit, welche die Organisation nicht sehen kann — wie sie sein soll —, wenn jeder tagtäglich diesen Körper, der aus vielen Gliedern besteht, mit sich herumträgt und ihn ständig benutzt. Jedes dieser Glieder wird durch das Haupt angetrieben, und keine zwei dieser Glieder sind je im Streit begriffen, vertreten je unterschiedliche Auffassungen oder wirken in entgegengesetzten Richtungen. Sollten sie jemals in gegensätzlicher Weise arbeiten, wie zum Beispiel die Hände, die eine Schnur zerreißen, so ist es nur scheinbar: in Wirklichkeit wirken sie zusammen. Man kann einfach keine Spaltung im Leibe haben, den Gott vom Haupt her organisiert hat. Da Gott nun eine Reorganisation fordert, soll hier niemand befürchten, daß Wirrwarr oder

 

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Spaltung oder dergleichen etwas daraus entstehen könnte. Es ist keinerlei Gefahr damit verbunden — außer bei denen, die sich nicht an dem Haupt halten. Woraus besteht die Gemeinde? — Aus solchen, die zum Haupt aufblicken, aus solchen, die nach dem Haupt trachten, aus solchen, die mit dem Haupt verbunden sind. Es spielt keine Rolle, wie viele Glieder es sein mögen. Selbst wenn nur ein Glied auf der einen Seite der Erde wäre und ein Glied auf der anderen Seite der Erde — beide Glieder werden zusammenrükken und zusammen wirken, weil das Haupt, Christus Jesus, der Herr, beide organisiert, sein Wille beide antreibt und ER der EINE ist, der dies in beiden bewirkt.

Wir kommen zu diesem Ergebnis: Es muß eine Reorganisation erfolgen. Gott fordert sie. In dieser Reorganisation nun fordert Gott etwas zusätzliches, was ER vorher schon gefordert hat, und das ist die Änderung des Menschen. Was die betrifft, die Gott beruft, und die ER berufen wird — laßt mich das nochmals sagen, wen Gott berufen wird —, müssen aus dieser Gruppe kommen. Sie müssen von uns selbst kommen, sie müssen irgendwoher aus der Gemeinde Gottes kommen. Somit wird dir und mir, jeder Seele von uns, diese vom Himmel kommende Verantwortung auferlegt, wonach ein jeder von uns durch das direkte Handeln des Hauptes vom Himmel her reorganisiert werden soll.

Nun, diesen Menschen, die aus der Gemeinde kommen, müssen Orte zugewiesen werden. Die Schrift sagt und hat es immer schon gesagt: »Wählt Menschen aus.« Wenn wir Menschen auswählen, worauf sollen wir achten? Wie sollen wir beurteilen und wie vorgehen, um zu wissen, daß die geeignete Person jenen Platz einnimmt? Wir müssen Gott bitten, daß ER unsere Augen öffne und sie mit der himmlischen Augensalbe salbe, daß wir die Personen erkennen mögen, die Gott bereits berufen hat. Das ist der wahre Weg »Menschen auszuwählen«.

Nichts weniger als das beinhaltet die Auswahl von Personen. Es müssen Personen sein, die aus unseren Reihen ausgewählt werden. Gott hat sie. ER hat sie vorbereitet. Sie sind bereits vorbereitet. So hat ER es gesagt. Wir sollten darum bitten, daß unsere Augen geöffnet werden, und Gott sie mit der himmlischen Augensalbe salbe, so daß wir in der Lage sind, zu sehen und zu wissen, daß dort der Mann ist, den Gott an jenen Ort zur Arbeit berufen hat.

 

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So kann es sein. Gott wirkt nicht in einer Ecke oder versteckt, sondern offen vor aller Augen. Alle, deren Augen Gott öffnet und salbt, werden sehen.

Dann muß auch folgendes berücksichtigt werden: Jene Stellung, jene Position, verleiht niemals Autorität. Autorität ist eine tauglichmachende Voraussetzung für eine Stellung. Ich will es nochmals sagen: Es sollte ein Leitwort für jeden in dieser Konferenz sein: Stellung verleiht niemals Autorität. Wen auch immer Gott zum Präsidenten der Generalkonferenz für die nächste Amtsperiode berufen hat und hier als gewählt vor uns stehen wird, besitzt dann nicht mehr Autorität als er gerade jetzt hat —, und wir wissen noch nicht, wer es sein wird.

Stellung, Position, verleiht niemals Autorität. Von der Stellung ist keine Autorität abgeleitet. Die Autorität aber, die jemand von Gott hat, die Gott ihm auferlegt hat, wird ihn zur Stellung qualifizieren, zu der Gott ihn berufen hat. Und wenn er diese Autorität nicht hat, ehe er die Stellung einnimmt, besitzt er auch keine Autorität, wenn er die Stellung innehat. Die Ansicht, daß die Stellung Autorität verleihe, ist genau der Grundsatz päpstlicher Unfehlbarkeit. Der Papst ist nicht unfehlbar, ehe er gewählt ist. Dies behauptet niemand. Vor seiner Wahl ist er nur Kardinal; sobald er aber zum Papst gewählt worden ist, ist er dann unfehlbar; er ist dann vom Heiligen Geist inspiriert, weil er diese Stellung innehat. Das ist das Papsttum.

Christentum besteht darin, daß Gott Menschen mit Autorität bekleidet, und ob sie eine Stellung oder Position innehaben oder nicht, spielt keine Rolle, sie besitzen ohnehin Autorität. Seht einmal: Jesus Christus war in dieser Welt und sagte ganz richtig: »Mir ist gegeben alle Gewalt (RSV: »Alle Autorität«) im Himmel und auf Erden.« (Matth. 28, 17.) Und doch hatte ER keinen Platz, wo ER sein Haupt hinlegen konnte. Er besaß keinerlei Stellung. Die Pharisäer, die Priester, die Schriftgelehrten, die Gesetzesgelehrten, die Heuchler, sie alle hatten eine Position; sie hatten eine Stellung inne und konnten kraft dieser Position über IHN bestimmen, IHN vorladen und über IHN zu Gericht sitzen. Wo war ihre Autorität? — Sie hatten keine; und so sagte ER dem Volke: »Auf Mose's Stuhl sitzen die Schriftgelehrten und Pharisäer. Alles nun, was sie euch sagen, daß ihr halten sollt, das haltet und tut's«, und während sie auf Moses Stuhl sitzen, lesen sie Worte, die Mose geschrieben hat. Gut, das ist Gottes Wort, »aber nach ihren

 

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Werken sollt ihr nicht tun: sie sagen's wohl, und tun's nicht.« (Matth. 23, 2-3.)

Als Mose einst auf dem Stuhl saß, ging Autorität vom Stuhle aus. Als aber die Schriftgelehrten und Pharisäer auf dem Stuhl an der Stelle Moses saßen, war keine Autorität vorhanden, außer der Autorität Gottes im Worte, das gerade gelesen wurde, und das alles in allem unabhängig von ihnen war und nichts mit ihnen zu tun hatte.

Von Jesus wird gesagt, daß sich alle über seine lieblichen Worte verwunderten, die aus seinem Munde kamen. Und weshalb? — Er lehrte sie wie einer, der Autorität hatte und nicht wie die Schriftgelehrten und Pharisäer. Genau. Alles, was die Schriftgelehrten reden konnten, war entliehen, und jeder wußte, daß es entliehen war, was ihre Beziehung zu diesem Material betraf. Als aber Jesus dieselben Worte redete, die die Pharisäer und Schriftgelehrten gesagt hatten, wußte jeder: Was ER sagte, war nicht entliehen, sondern ursprünglich; es war ein Stück von IHM selbst, dieses Wort in IHM lebte; ER war nur der Ausdruck des Wortes, das ER redete, und als das Wort gesprochen wurde, war es gewichtig und sehr beeindruckend und blieb in den Herzen der Hörer haften. Und diese Worte ruhten in den Herzen der Menschen mit Trost und brachten ihnen Freude. Und das ist das Leben, mit dem Gott jedermann in dieser ganzen Versammlung und in der ganzen Welt einkleiden möchte.

So hatte Jesus Christus die Autorität, und das Volk wußte es, und die Pharisäer, die sie nicht hatten, wurden so neidisch auf IHN, daß sie IHN nicht länger ertragen konnten. So mußten sie IHN aus der Welt entfernen, um ihre Stellung zu retten, andernfalls würden sie ihre Stellung verlieren.

Der Mensch, der mit dem Haupt verbunden ist, der Mensch, der Gott dient, der Mensch, der in Jesus Christus lebt, kann nie seine Stellung verlieren. Seine Stellung ist bei Jesus Christus, unter dem Schatten des Allmächtigen und ist sicher. Wo war Jesu Autorität, wenn ER weder Stellung noch Position hatte? Wie konnte ER da Autorität besitzen? — Die Autorität lag in der Wahrheit, die ER von Gott her predigte. Alle Autorität des Menschen, alle wahre und rechte Autorität in dieser Welt, gelangt zum Menschen durch die Wahrheit Gottes, die er empfängt. Wenn wir einen Menschen in dieser Welt finden, der ebensoviel Wahrheit Gottes in sich hat wie Christus einst in sich hatte, werden wir

 

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einen Menschen sehen, der alle Autorität im Himmel und auf Erden hat, weil er alle Wahrheit im Himmel und auf Erden hat. Das Maß der Wahrheit, das jemand hat, ist das einzige Maß der Autorität, das er hat, wo immer er sich befindet. Selbst wenn er die höchste Stelle der Verantwortung auf Erden innehat, und das ist die des Präsidenten der Generalkonferenz, wenn er keine Wahrheit hat, hat er keine Autorität. Alle Autorität, die er je in dieser Stellung haben kann, ist die Wahrheit in ihm, die auch ein Teil von ihm ist.

Daher sagte Jesus: »Ihr wißt, daß die weltlichen Fürsten herrschen und die Oberherren.haben Gewalt (KJV >Autorität<). SQ soll es nicht unter euch sein.« (Matth. 20, 25-26.) Was tun die Fürsten der Welt? — Sie üben Autorität aus.

Nun, Gott hat niemals einem Menschen in seiner Gemeinde Autorität verliehen, damit dieser Autorität ausübe. Das ist der Unterschied zwischen den Fürsten der Welt und den Fürsten Gottes, denn wir sind Fürsten Gottes. Die Fürsten der Welt üben Autorität aus. Die Fürsten Gottes haben Autorität, und die übt sich von selbst aus.

So gibt es kein Reich unter den Fürsten Gottes. Es gibt keine Herrschaft. Es gibt kein Reich. Es gibt keinen Herrschergeist, wie er uns beschrieben wurde. Nein, es gibt keine Landesgrenzen unter den Fürsten Gottes — das ist meine Vereinigung. Es ist Gottes Vereinigung. Es ist nicht mein Gebiet. Es ist Gottes Gebiet. Die Fürsten dieser Welt üben Herrschaft und Autorität aus. Die Fürsten der Welt, die keine wirkliche Autorität haben, üben Autorität aus. Die Fürsten Gottes haben wahre Autorität, üben aber keine Autorität aus. Die Fürsten Gottes haben Autorität, das ist genug, damit geben sie sich zufrieden, und Gott besorgt alles übrige, so daß niemand der Größte ist: nur einer ist Meister, wir sind alle Brüder. Dies ist daher der Ablauf der Organisation.

Wir wollen daher darauf achten, daß wir vom Haupt her organisiert sind. Wir wollen darauf achten, daß unsere Autorität von Gott kommt und wir nie Autorität ausüben. Redet aber mit Autorität, denn die Autorität ist in der Wahrheit, die wir reden - nur hierin liegt unsere Autorität.

So legen wir einen weiteren Leitsatz dar: Stellung verleiht nie Autorität. Autorität macht einen Menschen für die Stellung tauglich, wenn Gott ihn in eine Stellung beruft. Wenn das geschieht, besitzt er Autorität, aber er muß Autorität haben, ehe er diese

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Stellung innehat. Ich werde nun den Abschnitt, den wir gelesen haben, noch einmal lesen: »Einem jeglichen aber unter uns ist gegeben die Gnade nach dem Maß der Gabe Christi. Darum heißt es: >Er ist aufgefahren in die Höhe und hat das Gefängnis gefangengeführt und den Menschen Gaben gegeben.<« (Eph. 4, 7-8.) Und er hat etliche zu Aposteln gesetzt (und wer die Apostelgabe hat, hat auch die Autorität eines Apostels, selbst wenn er keine Stellung haben mag), etliche zu Evangelisten, etliche zu Hirten und Lehrern, daß die Heiligen zugerichtet werden (KJV: »Zur Vervollkommnung der Heiligen«), zum Werk des Dienstes, dadurch der Leib Christi erbaut oder reorganisiert werde; »bis daß wir alle hinankommen zu einerlei Glauben und Erkenntnis des Sohnes Gottes und ein vollkommener Mann werden, der da sei im Maße des vollkommenen Alters Christi, auf daß wir nicht mehr Kinder seien und uns bewegen und wiegen lassen von allerlei Wind der Lehre durch Schalkheit der Menschen und Täuscherei, womit sie uns erschleichen, uns zu verführen.« (Eph. 4, 11-14.)

Denkt daran, daß wir heute aufgerufen sind, das Kindische abzulegen, nicht mehr Kinder zu sein — daß wir nicht mehr Kinder seien und uns bewegen und wiegen lassen und nicht wissen, wo wir sind; nicht wissen, ob wir auf festem Boden stehen oder nicht. Gott möchte, daß wir auf dem Fundament bauen, der Wahrheit, die uns frei macht. Und wir wissen, es ist die Wahrheit. Dann werden wir

uns nicht fürchten, selbst wenn die Erde erschüttert würde, und die Berge mitten ins Meer sänken. »Auf daß wir nicht mehr Kinder seien und uns bewegen und wiegen lassen von allerlei Wind der Lehre durch Schalkheit der Menschen und Täuscherei, womit sie uns erschleichen, uns zu verführen. Lasset uns aber rechtschaffen sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken an dem, der das Haupt ist, Christus, von welchem aus der ganze Leib zusammengefügt ist und ein Glied am andern hanget durch alle Gelenke, dadurch eins dem anderen Handreichung tut nach dem Werk eines jeglichen Gliedes in seinem Maße.« (Eph. 2, 14-16.)

Welcher Mensch, welche Gruppe von Menschen könnte schon einen Mitarbeiter hier und einen dort auswählen und sie harmonisch zusammenfügen? Es ist treffend gesagt worden: Dieses Werk, die Sache Gottes zu handhaben, ist im Weltall am schwierigsten, denn man hat es mit menschlicher Gesinnung zu tun. Wie können wir mit dem Leben Gottes lebende Seelen im

 

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Geist harmonisch zusammenfügen? Nur Gott vermag es. Nur Christus, das Haupt, vermag es. Er will uns gebrauchen, indem ER uns zusammenfügt, zusammenstrickt — nicht weben, sondern stricken. Ihr wißt, daß die Fäden beim Weben Seite an Seite und quer gehalten werden, damit sie halten; beim Stricken aber ist nur ein Faden vorhanden. Rechts — links, rechts — links, immer ist eine Masche an allen anderen Maschen befestigt. Das hat Gott mit uns vor. Wir sind zusammengefügt -zusammengestrickt, und ein Glied hängt am andern durch alle Gelenke, so daß der Leib wächst — zum Aufbau des Körpers, aus sich selbst heraus, um sich vom Haupt her aufzubauen.

Das ist Organisation. Das ist Reorganisation. Kommt Brüder, laßt uns organisiert werden. Laßt uns reorganisiert werden.

(Generalkonferenz Bulletin 1901, S. 37-42)

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